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Kurzwellengeräte für den Agentenfunk
von Max Altmann, DJ7RU
Prostitution und Spionage sind so alt wie die Menschheit. Während die Prostitution in Ausführung und Abwicklung im Wesentlichem gleich geblieben ist,
hat sich die weitaus interessantere Spionagetätigkeit nach und nach grundlegend geändert, ich meine, technisch verbessert.
Seit dem Ende der 20er-Jahre kommunizieren die Spionagezentralen mit ihren Agenten im In - und Ausland mit Hilfe kleiner, transportabler
Funkgeräte, hauptsächlich für den Kurzwellenbereich. Es gab/gibt weltweit annähernd tausend verschiedene Funkgeräte für einen schnellen Nachrichtenaustausch
zwischen den auftraggebenden Zentralen und den eingesetzten Agenten. Im 2. Weltkrieg verwendeten die perfekt organisierten und logistisch gesteuerten
Agenten-Gruppen der ROTEN KAPELLE, unter ihrem Führer Leopold Trepper, genannt „Grand Chef“ von selbst gebauten Funkanlagen bis hin zur Perfektion
entwickelten zuverlässigen Sende - und Empfangsgeräte russischer Bauart, z.B. das Belka M-2 und das Jack 1-5. Für England spionierende Agenten waren
mit Geräten der MK- Serie 16, 18, sowie MK-XXI usw... ausgerüstet.
Die russischen Transceiver hatten für die damalige Technik und den zur Verfügung stehenden Bauteilen nur die durchschnittliche Größe eines Schuhkartons.
Die für Deutschland spionierenden Agenten waren mit Geräten der SE-Serien z.B. SE-88/5, SE-89/80, SE-90/40 etc. ausgerüstet. Auch der polnische Untergrund
operierte mit über 15 verschiedenen Geräte-Typen; aber führend waren vor allen die UdSSR und die Engländer.
Drei dieser seltenen >Kurzwellen-Highlights< nach dem 2. Weltkrieg, also in der Zeit des Kalten Krieges, möchte ich hier näher vorstellen.
Anfang der 60er Jahre
entwickelten die Firmen Wandel & Goltermann und H. Pfitzner das legendäre
Kurzwellen-Set SP-15. Der Röhren-TX, ist bestückt mit den Röhren EL 81
und EL95, sowie einem Tansistor DC 450 für die Tastung des Senders. Das
Set besteht, neben umfangreichem Zubehör, aus dem TX-FS7 10/20 Watt für
CW, mit eingebautem Antennentuner, und den Spannungsversorgungseinheiten für
Wechselstrom, einstellbar von 105 bis 235 Volt, der 12 Volt
Gleichstromeinheit, und dem RX-FE8. Frequenzumfang des Senders, über
Synthesiser von 2,5 bis 24 MHz, sowie über Steckquarze. Die Abstimmung
des Senders, und auch die Anpassung an eine LW-Antenne, ist nach
Farbtabelle für den Agenten ein Kinderspiel. Auch beim Empfänger umfasst
der Frequenzumfang 2,5 bis 24 MHz in zwei Bereichen, umschaltbar von 2,5 -
9,1 und 9,1 - 24 MHz. Die grau farbige Ausführung war beim BND im
Einsatz, die grün farbigen Sets bei den Fernaufklärern der Bundeswehr.

Abbildung 1: SP-15 Set mit original
Morsetaste
Weil auch Bestechung und Korruption so alt
wie die Menschheit sind, habe ich das SP-15 Set, in Verbindung mit der
HAGELIN M-209, 1975 auch bei den Rebellen nördlich von Cotonou / Benin
1975 in West-Afrika in Aktion gesehen.Die HAGELIN M-209 war vermutlich ein
Beutestück aus Vietnam. Das grau farbige SP-15 Set kam sicherlich über
die damaligen „DDR-Experten“ zu den kommunistischen „Kollegen“
nach Benin und war wahrscheinlich ein „gibst Du mir, gebe ich Dir
Produkt „ zwischen Schlapphüten in West- und Ostdeutschland.
Aber der Fortschritt blieb bei diesem
hervorragenden Set nicht stehen. Ende der 70er-Jahre entwickelten
Telefunken und Pfitzner Ingenieure die „Perle“ unter den damaligen
deutschen Agentengeräten, das SP-20 Set. Bestehend aus dem Synthesizer KS
30, F-Umfang von 2 – 24 MHz in 1 kHz Schritten, dem 25 Watt Sender S
6800, dem Tuner ASG 6800 und dem Empfänger KE 30, auf dem Bild nicht zu
sehen. Die Geräte sind voll transistorisiert und nur für CW und FSK
ausgelegt.

Abbildung 2: SP-20 Sender mit Maustaste,
Tuner und Synthesiser

Abbildung 3: SP-20 mit S/E Umschaltung in
Transportbox (nicht original) , im Stauraum ist
Platz für alle Verbindungskabel einschließlich einer 20m LW-Antenne
Aber auch die „Schlapphüte“ der
ehemaligen DDR und ihr östlicher Lehrmeister, der KGB, benützten bereits
in den 60er-Jahren (als Gegenstück zum SP-15) hoch entwickelte
Transceiver wie das Röhren-Set R 353. Eingesetzt war das R 353 von
spezial Agenten für besondere Beobachtungsaufgaben im militärischen und
im zivilen Bereich auch in afrikanischen Ländern z. B. in den 70er Jahren
in Mali und Ghana. Sender und Empfänger sind zusammen (nicht transceiv)
mit dem Netzgerät in einer Leichtmetallbox eingebaut. Der Empfänger ist
ein Doppelsuper mit einer ZF von 2,6 MHz und 465 kHz, der schaltbar in 3
Bereichen die Frequenzen 2.98 – 16.03 MHz überstreicht. Die Abstimmung
des Senders erfolgt über 11 Bereiche von 3.47 – 16.00 MHz. Die CW-
Ausgangsleistung des Senders beträgt über den eingebauten Tuner an einer
Langdrahtantenne oder Dipol maximal 40 Watt, eine Morsetaste ist
eingebaut. Die Beschriftung der Bedienungselemente am R-353 ist außer
russisch auch in englisch, das Set konnte deshalb gegen Devisen von der
USSR auch an andere Staaten verkauft werden.

Abbildung 4: R-353 mit eingebauter Taste
und Abstimmtabelle
Eine Besonderheit ist ein, über eine Wählscheibe
codierbares Magnetband, das eingeklinkt am Sender, 100 Fünfergruppen pro
Minute überträgt; dadurch ist ein Peilen des Senders so gut wie unmöglich,
oder fast unmöglich...

Abbildung 5: Wählscheibe mit
Magnetband

Abbildung 6: Eingeklicktes codiertes
Magnetband zur verschlüsselten Nachrichtenübertragung
Zum Abschluss dieser Kurzbeschreibung, und
im freien Handel nicht beziehbaren seltenen Agentengeräte von Os und West
während des Kalten Krieges, möchte ich kurz noch einen sehr seltenen
Intercept-UKW Empfänger des früheren KGB vorstellen.
Eine Besonderheit dieses Empfänger ist die
sehr flache und etwas abgewinkelte Form, die es erlaubt, den Empfänger an
einem speziellen Gürtel unter dem Mantel zu tragen. Über einen flexiblen
Kurzdipol, der mittels zwei Krokodilklemmen am Hemd oder Pullover
befestigt wurde und einem Ohrhörer, konnte der Agent im Frequenzbereich
von 60 – 150 MHz z.B. den AM / FM Funkverkehr von Botschaften,
Konsulaten und andern zivilen Einrichtungen mithören.

Abbildung 7: Intercept UKW-RX, 60 bis 150
MHz

Abbildung 8: Seitenansicht mit
Bedienungselementen, Hörer- und 9V-Anschluss
Geräte für den Agentenfunk sind im
Vergleich mit zivilen Funkeinrichtungen hoch entwickelte Funkgeräte und
trotzdem leicht zu bedienen.
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