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Empfänger-Wahrheiten Da ich während meiner Studienzeit in den USA nur wenig Geld hatte, bin ich öfters in den "Night Court" (Nacht-Schnell-Gericht) gegangen, das war billiger, als ins Kino zu gehen und drei mal so amüsant. Raufereien in Kneipen, Familienstreitigkeiten, Trickdiebe und kleine Gaunereien kamen vor Gericht. Es war immer was los, oft sehr lustig und immer recht interessant. Bevor der Richter mit der Befragung anfängt, beginnt er immer mit der selben Ermahnung. "Um dem Gericht zu helfen, die Wahrheit zu finden, muss man immer nur die Wahrheit sagen, nichts weglassen und nichts hinzufügen." Mit anderen Worten, man darf nicht lügen. Irgend eine bedeutende Tatsache wegzulassen, ist keine Lüge, aber vor dem Gericht wird es als solche geahndet. Ich möchte nicht so streng sein und sage lieber..."Bedeutende Fakten wegzulassen ist keine Lüge, aber es ist auch nicht die Wahrheit." Nun, was hat dies mit "Empfänger-Wahrheiten" zu tun? Bevor dies beantwortet wird, ein paar Worte über bedeutende Fakten. Ein neues Auto soll angeschafft werden. Prospekte werden gesammelt und das Studium fängt an. Nirgendwo wird aber angegeben wie viel Zylinder, PS oder KW, Benzinverbrauch nach DIN, oder sogar ob der Motor vorne oder hinten eingebaut ist und ob Super oder Diesel benötigt wird. Das sind bedeutende Fakten für den Käufer. Schweigt der Hersteller darüber, hat er sich des Weglassens schuldig gemacht. Es gibt sicherlich Hunderte von Fakten und Angaben, welche man über einen Empfänger machen kann. Natürlich hat für den Funkamateur Betrieb die Größe und Gewicht nicht die gleiche Bedeutung wie für einen Weltraum-Shuttle-Empfänger, aber egal für welchen Einsatz das Gerät vorgesehen ist, bestimmte Fakten oder Angaben sind so wichtig, dass sie nicht weggelassen werden dürfen. OM Ralf Rudersdorfer, OE3RAA hat in der Mai 2001 Ausgabe der Zeitschrift "FUNK" unter dem Titel... "Wichtige Empfänger Kennwerte verständlich gemacht"... eine so hervorragende und leicht verständliche Erklärung veröffentlicht über Empfänger- Kennwerte, ihre Bedeutung, und wie sie zu messen sind. Das sollte zu einem Pflichtteil in der Lizenzprüfung gemacht werden. Für
OM Ralf und für alle Funkamateure sind folgende Kennwerte wichtig: Für
die meisten Funkamateure sind folgende Kennwerte gänzlich unwichtig: Ich habe anonym Prospektmaterial über die "Top of The Line" Geräte der Großen Drei, (Icom, Kenwood und YAESU) direkt vom Importeur und auch von einigen Händler angefordert. Von den Importeuren habe ich prompt mehrfarbige, Hochglanz gedruckte Prospekte gratis bekommen. Nach sorgfältigem Studium aller drei Prospekte musste leider festgestellt werden, dass mit Ausnahme der Empfindlichkeit, zu den restlichen "Wichtigen Kennwerten " kein Hersteller Angaben machte. Mit Worten wie hervorragende Intermodulations-Charakteristik ist die IP2 und IP3 abgehandelt, die restlichen Kennwerte sind nicht einmal erwähnt worden. Das kann unmöglich sein, habe ich gedacht. Es ist nicht denkbar, dass eine Firma ein Gerät für tausend plus Euro anbietet, ohne zu wissen, was der Empfänger leisten kann. Außerdem haben der Händler und der Service Techniker jeden Tag mit diesen Geräten zu tun. Wenn der Händler diese Information nicht hat, wie soll er den Kunden fachlich beraten. Wenn der Service-Techniker keine Messunterlagen hat, was soll er sagen, wenn ein OM etwas über die Empfangseigenschaften seines Gerätes wissen will, oder sich darüber beschwert. Soll ihm gesagt werden, es tut mir leid, aber ich weiß nicht, was der Empfänger leisten soll. Was würden Sie von einer Autowerkstatt halten, wenn sie nicht weiß, ob der Motor vorne oder hinten ist. Ich habe eine Firma, mit der ich jahrelang gearbeitet habe und für deren technische Kompetenz ich großen Respekt hatte, schriftlich um spezifische technische Angaben gebeten. Nach einige Monaten habe ich der Firma nochmals geschrieben, da ich keine Antwort bekommen habe. Nach noch einem Monat ohne Antwort habe ich dem Mutterhaus in Japan geschrieben, auch keine Antwort. Zuletzt habe ich unseren Sohn, der in Japan arbeitet, gebeten, den Brief direkt bei der Firma abzugeben. Das was vor mehr als zwei Monaten und immer noch keine Antwort. Wenn der Hersteller absolut ablehnt, dem Käufer zu sagen, wie viel Zylinder sein neues Wunderauto hat, aber mit der Zahl der Aschenbecher protzt, muss man hellhörig und misstrauisch sein, und wird sicherlich nie im Leben auf die Idee kommen, so ein Auto zu kaufen. O.K., was ist zu machen. Irgendwo in der Firma muss die Kennwert Information zu finden sein. Zuerst würde ich vorschlagen, rufen Sie bei der Firma an. Vielleicht werden Sie fündig werden. Die Firmen sind unter den folgenden Rufnummern zu erreichen:
(YAESU hat vor einiger Zeit unter einem Konsolidierungsplan alles nach YAESU EUROPE B.V., Schiphol, in die Niederlande verlegt.) Unabhängige Informationsquellen sind:
Falls das Sie andere unabhängige Quellen kennen, geben Sie mir bitte die Adresse und ich werde sie hier veröffentlichen. Ein paar Worte zu der Kennwert-Messmethode. Mitte der 50-ziger Jahre habe ich erstmals von der Interzept Point Messung gehört. Ich arbeitete damals für RCA und hatte mit der Entwicklung eines 400 Watt synthesized Militär Flugfunk SSB Transceiver zu tun. In einem Artikel in dem Ingenieur Journal ( damals IEE, heute IEEE) hat man sich über die Verteilung von Rundfunk Frequenzen in dem Mittelwellenbereich Gedanken gemacht und sagte, dass die Qualität normaler Heimempfänger so war, dass zwei 1 kW Sender mit einem Frequenz-Abstand von 20 kHz ohne übermäßige gegenseitige Störungen empfangen werden könnten. Das Frequenz-Raster für die Mittelwelle in Nordamerika war 10 kHz und der Frequenz-Plan war so, dass benachbarte Sender mindestens zwei Kanäle oder 20 kHz voneinander entfernt genehmigt werden sollten. Jahrelang wurden IP3 Messungen auf zwei Signale mit einem Abstand von 20 kHz bezogen. Dann, eines schönen Tages, hat ein Funkamateur Hersteller-IP3-Angaben veröffentlicht, mit einem Frequenz-Abstand (ohne es zu sagen) von 50 kHz. Natürlich, je weiter die Messsignale auseinander sind, um so geringer ist die gegenseitige Störung. Das Ergebnis: ohne das der Empfänger verbessert wird, bekommt man einen besseren IP3-Wert. Für uns Funkamateure ist das Störsignal, das uns Probleme macht, meistens nicht 20 oder gar 50 kHz weit weg, sondern weniger als 3 oder 4 kHz, so dass die Hersteller-Angaben in 20 oder 50 kHz Abstand aus zwei Gründen nur wenig über das, was wir von dem Empfänger erwarten können, aussagen. Zuerst ist der Abstand zu groß, um den Empfänger im Funkamateur-Betrieb deutlich zu beschreiben. Zweitens, die Oszillatoren, die zur Frequenz Umsetzung in dem Empfänger dienen, sind alles andere als perfekt. Das heißt, die Erzeugung nicht nur der gewünschten Frequenz, sondern auch einer sogenannten Rauschglocke, die eine Charakteristik von allen Oszillatoren ist. Der Ingenieur beschreibt das als Spektralreinheit und bewertet es mit der Bezeichnung dBc. Spektralreinheit ist eine Wissenschaft für sich, aber man kann sagen, je besser die Spektralreinheit umso besser der IP3. Das Gegenteil von Spektralreinheit ist der Grund, warum zwei Empfänger den gleichen IP3 bei einem Signalabstand von 50 kHz haben können und einen wesentlichen IP3-Unterschied bei einem Signalabstand von 5 kHz. Der Empfänger mit der besseren Oszillator-Spektralreinheit wird einen besseren 5 kHz-IP3 haben. Aber wichtig für die Bewertung sind auch Angaben über die Bandbreite der gemessenen Empfänger. Es wäre sicherlich für uns von Bedeutung, wenn die IP3- Angaben wenigstens einmal in CW- und einmal in SSB-Bandbreite angegeben würden. Die "Top of the Line" recht teuren All Band-, All Mode-Geräte von einem Hersteller bringen einen IP3 auf 20 Meter von +4 dBm bei 20 kHz und -29 dBm bei 5 kHz Abstand. Das ist ein Unterschied von 33 dBm. Ein Gerät von einem anderen Hersteller, das um die tausend Euro weniger kostet, hat einen IP3 von +3 dBm bei 20 kHz und -29 dBm bei 5 kHz Abstand. Das ist ein Unterschied von 34 dBm, also nur ein dBm schlechter als das fast doppelt so teure Gerät. Wenn diese Kennwerte in den Geräte Prospekten veröffentlicht oder von den Herstellern zu erfahren wären, müsste ein Hersteller seine Geräte praktisch verschenken, um sie los zu werden. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass der IP2 und IP3 die einzigen Faktoren von Bedeutung sind. Rauschmaß, Blocking, Dynamikbereich und anderes sind ebenfalls wichtig, aber ich gehe davon aus, dass ein Ingenieur, welcher einen ordentlichen IP2 und IP3 zu Stande bringt, auch an alle anderen Faktoren gedacht hat. Abschließend ein paar Worte über sogenannte "TEST BERICHTE". Wenn der Testbericht keine dB-Zahlen aufweist, vergessen Sie ihn. Wenn er nur erklärt, wie viel Spaß das neue Gerät macht, vergessen Sie ihn. Wenn er erklärt, wie einfach das Gerät zu bedienen ist, vergessen Sie ihn. Testberichte dieser Art dienen der Selbstprofilierung des Verfassers anstatt der Übermittlung von sachlichen Informationen. Es ist in DL sehr schwer einen ordentlichen Testbericht zu Stande zu bringen. Die Firmen verstehen keinen Spaß, und wenn man was Negatives über ein Gerät sagt, kann man damit rechnen, dass schnell ein Brief von einer Anwaltskanzlei ins Haus geflattert kommt. Es ist absolut ohne Bedeutung, dass die Aussage der Wahrheit entspricht, da nach guter alter Sitte der Überbringer von schlechten Nachrichten auf der Stelle geköpft wird. Da mein Kopf, obwohl er schon alt und grau, mir immer noch lieb und wertvoll ist, möchte ich ihn doch noch eine Weile behalten. Bitte fragen Sie mich nicht, welches Gerät das beste oder welches gekauft werden soll. Ich kann Ihnen nur fast immer sagen, wo Sie einen vertrauenswürdigen Testbericht finden. Den Rest müssen Sie selber machen. Don Taylor DJ0KM / K9SFN |