Der Steckdosen-Amateur
als Party-Löwe mit Schraubenzieher

Es war einmal ein Steckdosen-Amateur. Er wusste zwar , dass es für so professionelle Ingenieure und Techniker, versierte Funkamateure, Radio- und Fernsehmechaniker, viele kluge Bücher und Fachartikel gibt, die den jeweiligen Leser und Nutzer mit guten Ratschlägen voll stopfen, vor allem, wie er seine Arbeit besser und effektiver gestalten kann. Doch.. was gibt es für den Steckdosen-Amateur? Was gibt es für den verlorenen Haufen wackerer OM's und YL's und XYL's. die da selbstlos, Diplome sammelnd, unerschrocken und von keiner unsinnigen Sachkenntnis belastet, die Technik in die Schranken fordern, wenn es die nackte Not gebietet? .... Nichts!... Es ist beschämend! Aber es muss mal festgestellt werden, dass hier eine Lücke in der Literatur klafft, die eigentlich schleunigst mal geschlossen werden sollte; denn diese Fragen-Kataloge werden da ja von den Steckdosen-Amateuren strikt auswendig gelernt, so dass man ja keine Möglichkeit hat, den Inhalt zu erfassen und umzusetzen. Außerdem wäre das eher schlecht; denn dann müsste man ja zwischendurch beim Üben und Luftholen sich mit dem knapp gefassten Inhalt geistig auseinandersetzen, was todsicher dazu führen würde, dass man das Ziel - nämlich die Erlangung der Amateurfunklizenz - aus den Augen verlieren würde.

Gelegenheiten für den Steckdosen-Amateur zur Profilierung an technischem Gerät gibt es da in Hülle und Fülle. So ist es ja heute durchaus üblich, dass man lange Tast-Aktionen an solchen modernen Geräten ausführt, die erst eher einem Taschenrechner ähneln, aber in die man dann DIGs und DOKs hineinsprechen kann, um dafür hinterher ein als Tapete geeignetes Stück Papier zu bekommen. Welch technische Errungenschaft. Und dann der Aufschrei aus einem solchen Wunderwerk der modernen Technik , klein, tragbar und voll mit Batterien..... in knarrender Stimme mit einem fernöstlichen Akzent: Errrrrrrrrrrrror.. oder so ähnlich....

Auch Sie, lieber Leser, besser PR-Müll-Box-Ausleser-Steckdosen-Funk-Rechner-Freak, können eines Tages unversehens der Steckdosen-Amateur sein (siehe : es war einmal......) , der aus seinem Schattendasein heraustritt, um sich dann im Licht der allseitigen Bewunderung zu baden. Auch ohne die oben angefragte Literatur geht das zwar.. aber:

Angenommen, Ihr Chef gibt eine Party, zu der Sie in Anerkennung der Komplettierung der Tapeten Ihres Shacks geladen sind. Er, (der Chef) in vollem Stolz, will seine achtkanalige 750 Watt PEP Super-Stereo-HiFi-Anlage, ausgestattet mit UKW und Wasserspülung, seinen Gästen vorführen........Ohhh Schreck, das gute neue Stück versagt!!!!!

Jetzt!!! Jetzt kommt Ihre Stunde, die einmalige, die Sternstunde, die Sie als erprobter Steckdosen-Amateur mit dem DLD-5000 als Orden auf der Brust Ihres Smokings nicht verstreichen lassen dürfen!! Natürlich müssen Sie sich auf ein solches Ereignis gebührend vorbereitet haben. Und an dieser Stelle wäre eben oben geforderte Literatur für diesen Personenkreis ein unschaetzbares Hilfsmittel. Aber wir werden sehen.. es geht eben auch ohne, dank der sonstigen Qualifikation. Allerdings....... ein unerlässliches Requisit ist ein kleiner SCHRAUBENZIEHER mit Clip (!), den Sie immer bei sich haben und in der extra eingenähten Brusttasche Ihres Smokings aufbewahren. Ziehen Sie ihn zu dieser Supergelegenheit heraus und (wichtig.. ) schwenken Sie ihn lässig durch die Luft. Damit überzeugen Sie sicher die stets anwesenden Skeptiker und auch die, die eventuell andere Amateur-Betriebsarten vorziehen. Zeigen Sie damit, dass Sie auch als der Steckdosen-Amateur mit der Technik auf Du und Du stehen. Halten Sie dabei auch immer Ihren Chef im Gehirnstübchen.

Gehen Sie nun auf das kranke Gerät zu und drehen Sie es blitzschnell herum, bevor Ihr unglückseliger Chef Protest erheben kann. Werfen Sie dann einen verstohlenen Blick auf die Typenbezeichnung (unauffällig), die auf der Rückwand des Gerätes steht. Dann fest und bestimmt aber ebenfalls mit lässigem Ton (aber nicht herabsehend, da die Anlage ca. 50.000,- KILOOHM Wert ist)" Ah.. ein CFX 790 A", genau so, wie Sie es aus Ihren 5000 QSOs mit dem IC2E für das DLD 5000 her kennen und ja perfekt geübt haben. Eine solche Bemerkung , die Sie scheinbar achtlos fallen lassen, beruhigt Ihren Chef und wird sofort bei den Umstehenden allseitiges Vertrauen zu Ihnen herstellen.

Es ist nun wichtig, dass Sie bei allen folgenden Handlungen Ruhe und Sicherheit ausstrahlen. Vermeiden sie daher alle Äußerungen, die irgendwelche Zweifel an Ihrem Können bei den sehr wachsamen Zuschauern aufkommen lassen könnten. Seien Sie auch zurückhaltend mit Rezitaten aus dem Fragen- und Antworten-Katalog für die AFU-Prüfung, denn es könnte sein, dass hinter den Umstehenden auch "Weltliteratur-Kenner" verborgen sein könnten. Aber vermeiden Sie auch solche Wörtchen , wie "NANU.." Diese sollten völlig aus Ihrem Sprachsatz verbannt sein!!!

Schrauben Sie nun ungefragt die Rückwand ab, wobei Sie fröhlich (so, wie beim Öffnen eines Relais) vor sich hinpfeifen. Dadurch werden Sie der Notwendigkeit enthoben, unangenehme Fragen nach Ihrer Steckdosen Qualifikation beantworten zu müssen. Die Schrauben lassen Sie einfach auf den Boden fallen. Sollte Ihnen die Dame des Hauses deswegen einen missbilligenden Blick zuwerfen, so streichen Sie mit dem ausgestrecktem Zeigefinger leicht über die Innenseite des Gerätes. Betrachten Sie dann Ihren staubigen Finger gedankenverloren, wobei es sich empfiehlt, denselben gut sichtbar in das Jodlicht zu halten. Von dieser Seite haben Sie nun bestimmt nichts mehr zu befürchten.

Beugen Sie sich mit sachverständigem Blick über das Gerät, wobei Sie mit dumpfer Stimme das Ohmsche Gesetz murmeln, genauso, wie es in den Prüfungsfragen steht. Sollte die Afu-Prüfung zu lange zurückliegen und der genaue Wortlaut dieser wichtigen Beschwörung der Senilität zum Opfer gefallen sein, so genügt es auch, die Wörter "Strom, Spannung und Widerstand" mehrmals in beliebiger Reihenfolge, so etwa in der "Melodie " eines CQ-Rufes einer starken Contest-Station zu wiederholen. Etwaige Fragen der inzwischen atemlosen Zuschauer wehren Sie mit unwirschen Gesten ab.

Bitten Sie nun Ihren Chef, persönlich noch mal das Gerät einzuschalten, damit Sie diesen kritischen Vorgang genau beobachten können. Dieser kleine Kunstgriff enthebt Sie der Peinlichkeit, selbst nach dem Einschaltknopf suchen zu müssen. (Sie haben ja die vielen Tasten und Knöpfe diverser japanischer Funkgeräte ja noch mit Horror im Hinter-kopf). In dem Bestreben, sich vor seinem Mitarbeiter und Experten nicht zu blamieren, wird Ihr Chef alle notwendigen Handgriffe besonders sorgfältig ausführen. Begleiten Sie seine Bemühungen mit wohlwollenden und aufmunternden Kommentaren: "Jawohl! Nur so weiter! So ist es recht ! Sie haben so in Ihrem Chef einen Freund gewonnen...(den sie später vielleicht noch brauchen werden..).

Wenn Sie Glück haben, hat der Gute das Gerät zuerst nur falsch eingestellt und alles funktioniert beim zweiten Versuch ganz ausgezeichnet. In diesem Fall heben Sie entsagend die Schultern und stecken den kleinen Schraubenzieher lässig wieder ein. Nehmen Sie bescheiden die Glückwünsche der Zuschauer entgegen und lassen Sie keinen Zweifel, dass sich dieses Wunder einzig und allein kraft Ihrer Anwesenheit ereignet hat. Sie wissen doch , wie man das macht, wenn man einem anderen DIG-Freund eine unglaubliche DX-Verbindung glaubhaft macht.. eben so!!! Dann begeben Sie sich nicht zu den niederen Arbeiten mit der Rückwand, denn die Schrauben sind ohnehin nicht mehr auffindbar.

Aber es gibt da auch hartnäckige Fälle, bei denen sich der Erfolg nicht so leicht einstellt. Nun müssen Sie zeigen, dass Sie völlig Herr der Lage sind! Fragen Sie den Hausherrn, ob Sie die Unterlagen für das Gerät sehen können. Der also Befragte erinnert sich so dunkel einiger Papiere, die er zugleich mit dem Gerät erhalten hatte, und es beginnt ein emsiges Suchen. Bald gerät Ihr Chef in Streit mit seiner Gattin, wer wohl diese wichtigen Papiere verkramt habe. Halten Sie sich da total heraus, denn jetzt ist eine gute Gelegenheit, unbeobachtet das kalte Büffet aufzusuchen. In zwanglosen Gesprächen lassen Sie die anderen Gäste wissen, was Sie von Leuten halten, die ihre Papiere für solch teure Geräte so unordentlich behandeln. Deuten Sie an, wie sehr Ihre weiteren Bemühungen unter einer solchen Schlamperei leiden könnten.

In der Regel bleiben die Unterlagen unauffindbar, wie diese seltene QSL-Karte, über die Sie an dieser Stelle selbstverständlich nicht sprechen. Damit sind Sie aus dem Schneider, gleichgültig, wie die Sache ausgeht. Sollte es Ihnen in der Folge gelingen, das widerspenstige Gerät doch noch zum Leben zu erwecken, so wird es jeder zu würdigen wissen, dass Sie dieses Kunststück trotz eines schweren Handikaps vollbracht haben. Sollte jedoch der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Ihren Bemühungen der Erfolg versagt bleibt, so wird jeder der Anwesenden verstehen, dass es nicht Ihre Schuld ist.

Ein ganz ausgezeichnetes Mittel , rebellierende Geräte zur Vernunft zu bringen , ist die Schüttelmethode, die allerdings nur bei kleineren Geräten anwendbar ist; bei größeren Geräten wie hier muss sie durch die Klopf- und Draufhaumethode ersetzt werden. Dabei klopfen Sie mit dem Griff des Schraubenziehers kräftig und systematisch gegen alle markanten Innenteile. Sollte dabei etwas zu Bruch gehen, so fragen Sie den zitternden Eigentümer mit leichter Verwunderung , wo er dieses Gerät gekauft und was er dafür bezahlt habe. Klären Sie ihn umgehend auf, welch minderwertiges Material heutzutage in Drittländern verarbeitet würde.

Gute Erfolge erzielen Sie auch mit der Kurzschlussmethode. Bringen Sie die Klinge des Schraubenziehers möglichst gleichzeitig mit allen blanken Metallteilen des Gerätes in Verbindung. Hüten Sie sich. Überraschung zu zeigen, wenn es dabei zu lebhafter Funkenbildung und leichter Rauchentwicklung kommt. Derartig unkontrollierte Reaktionen könnten leicht zu Missdeutungen des Publikums Anlass geben. Bei voll aufgedrehter Lautstärke lassen sich auf diese Weise oft auch hübsche Toneffekte erzielen. Das wird den zweifelnden Hausherrn überzeugen, dass noch Leben in dem teuren Patienten und eine völlige Genesung nur noch eine Frage der Zeit ist.

Sollten jedoch alle diese ausgefeilten Techniken versagen, so bleibt Ihnen ein letztes, unfehlbares Mittel. Fragen Sie die Umstehenden in einem ganz natürlichen Tonfall, ob jemand zufällig einen KATHODENSTRAHL-OSZILLOGRAPHEN dabei hat. Achten Sie auf die Aussprache, wie es die Lautschrift aus dem Prüfungs-Katalog vorschreibt. Aber vermeiden Sie die Buchstabierung bei Rückfragen mit üblichen Fehlern beim Einsatz der Nato-Buchstabiertafel.Es ist zu hoffen, dass Sie sich dieses Wort genau eingeprägt hatten, denn seine Erwähnung hat einen durchschlagenden Erfolg. Die beklemmende Pause , die sich nach dieser Frage ausbreitet, müssen Sie geschickt ausnutzen. Werfen Sie einen würdevollen Blick in die sprachlose Runde und entfernen Sie sich festen Schrittes unter Mitnahme eines Glases Bier von der Szene, bevor sie zum Tribunal wird. Schließlich kann kein vernünftiger Mensch von Ihnen verlangen, dass Sie einen solchen kniffligen Fall ohne einen Kathodenstrahl-Oszillographen behandeln....oder wie das Dingsda heißt.

frei erfunden von Dr.-Ing. Wilfried Stadlmann DC6PG, in Anlehnung an eine Geschichte aus Funkschau (1972) H.23 S. 23 ...., allerdings angepasst an die lieben OM's, die immer seltener Übung im Eigenbau und Umgang mit dem Lötkolben haben.