Graf Oszillo kämpft um die Braut

Physikalisches Märchen von Dipl.-Ing Heinz Wannrich
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dipl.-Ing. Wolfram Wannrich

Es war einmal vor vielen Lichtjahren, da lebte im Lande Physikalien die schöne Königstochter Elektro-Liese. Seit ihrer Jugend war sie dem Grafen Oszillo von Kathodenstrahl zugetan. Aber Graf Oszillo hatte einen Widersacher, den Grafen Tele aus dem Geschlecht der Photo-Grafen, der selbst ein Wirbelauge auf Elektro­-Liese geworfen hatte.  

Eines Tages nun wurde Graf Oszillo auf der Jagd am Ausgang eines Wellentales von Teles Knechten überfallen und auf eine ferne Druckfort-Pflanzung geführt, wo an den Zweigen der Bleiblume die herrlichsten Glühbirnen gediehen, denn durch ihre Quadratwurzeln waren sie sehr gut geerdet. Oszillos treuer Knappe, Wolfram Draht, wurde mit dem Wagnerschen Hammer niedergeschlagen, obwohl er aus allen galvanischen Batterien gefeuert hatte. Er war aber nur verwundet und wurde von seinen Kons-Tanten und Basen gesundgepflegt.  

Alsbald machte er sich mit seinem Farad auf, seinen Herrn zu suchen. Mit seinem übergroßen Transformat-Ohr hörte er bald, wo sein Herr war, und kurz darauf war er bei ihm. Es war Eile geboten, denn morgen sollte Elektro-Liese den Grafen Tele heiraten, den sie schon seit der ersten Amperesekunde verabscheute. Aber ihre Freundin hatte ihr zugeraten, da sie schon das astronomische Alter von 20 Lichtjahren hatte.  

Bald wurden die Stadt und das Schloss festlich geschmückt. Die 4 Tore (Isola-Tor, Genera-Tor, Transforma-Tor und Vek-Tor) wurden mit Zündkerzen beleuchtet.

Graf Oszillo und Wolfram Draht bereiteten ihre Flucht vor. Sie rösteten sich einige Atomkerne und Kosi-Nüsse auf der Robert-Koch-Platte, zogen feste Holzschuhe und warme Windhosen an, und als die Temperat-Uhr Mitternacht schlug, schnürten sie ihr Strahlenbündel und verließen leise das Haus. Der Wärter hatte nichts bemerkt, da er gerade seinen elliptischen Anfall gehabt hatte.  

Die Schlösser öffneten sie mit einer Niels-Bohr-Maschine, dann jagten sie mit größter Eile über die Magnet-Felder und das Kilo-Watt hin. Schon bald näherten sie sich dem Wechsel-Strom, der sich in großen Sinuskurven dahinschlängelte. Dort rasteten sie, tränkten ihre Pferde mit Kristallwasser aus einer Lichtquelle und badeten die müden Glieder, bis sie ihre Hessesche Normalform wieder erreicht hatten. Die Flaschen-Züge der Erdbahn donnerten am Kraftfluß vorbei. Als die ersten Röntgenstrahlen der Morgensonne zwischen den Elektronen-Wolken hervorbrachen und die ersten Tur-Binen summten, kamen sie am Kondensa-Tor an. Sie versteckten sich zwischen den Wellenpaketen in einer Mischungslücke und kamen ungehindert in die Stadt. Voller Wismut drangen sie in das Schloss ein. Graf Tele, der die Nacht in der Milli-Bar durchzecht hatte, konnten sie mühelos überwältigen und dem Gleichrichter übergeben, der ihn nach dem Coulombschen Gesetz verurteilte. Er ließ ihn mit dem Helm-Holtz verprügeln, bis er ultraviolett war.

Elektro-Liese fühlte ihr Mega-Hertz heftig schlagen, als Oszillo wieder bei ihr war. Nun begann eine fröhliche Hochzeit. Zuerst trug der Fernsprecher eine selbstverfasste Triode vor, dann wurde dem treuen Wolfram Draht das große Koordinaten-Kreuz verliehen, denn das Faden-Kreuz hatte er schon. Für das Volk wurde ein großes Laby-Rind am Spieß gebraten, und in einem riesigen Windkessel brodelte ein feines Essen aus Konkav-Linsen und Tang-Enten. Es wurde mit Hilfe von Belichtungs-Messern und Stimm-Gabeln verzehrt, und anschließend zum Nachtisch wurden Lack-Mus und Re-Torten gereicht. Die Kapelle einigte sich schließlich auf den richtigen New-Ton und spielte bis früh in den Morgen flotte Loga-Rhythmen.

Am nächsten Morgen berichtete die hydraulische Presse in allen Einzelheiten über das große Ereignis.  

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